"Drachme fünf Sterne" Eine Anti-Euro-Partei in Griechenland

Πέμ, 06/06/2013 - 11:30

Auch Griechenland bekommt eine neue Anti-Euro-Partei mit jeder Menge Ökonomen und Professoren als Mitglieder. Die Bewegung setzt sich dafür ein, dass die Südländer geschlossen den Euro verlassen.

Theodoros Katsanevas, der an der London School of Economics studiert hat und heute als Wirtschaftsprofessor an der Universität Piräus lehrt, gehört zu den maßgeblichen Gründern. Die Bewegung heißt „Drachme fünf Sterne“. Sie setzt sich dafür ein, dass die Südländer geschlossen den Euro verlassen - am besten unter der Führung Italiens. Katsanevas beruft sich dabei ausdrücklich auf den deutschen Ökonomen Hans-Werner Sinn und seinen Vorschlag, Griechenland solle vorübergehend aus der Eurozone austreten.

Sinn sagte der Sonntagszeitung. auf Anfrage, es freue ihn, dass nach der Partei „Plan B“ nun schon die zweite Partei in Griechenland für den Austritt votiere: „Das ist die einzige Chance, die das Land hat, wieder auf die Beine zu kommen.“

Dass die Griechen allerdings Italien gleich mitnehmen wollen, freue ihn weniger. „Wenn ich über Italien zu bestimmen hätte, würde ich die Austeritätspolitik wählen.“

Der Wirtschaftsprofessor und Gründer der Drachme-Partei Theodor Katsanevas bei einem Vortrag in Frankfurt

Wer sind die Anti-Euro-Parteien Griechenlands?
Gleich zwei Parteien haben sich in den vergangenen zwei Monaten in Griechenland gegründet, die den Austritt aus der EU propagieren: Plan B des Linkspolitikers Alekos Alavanos und Drachme, gegründet von dem Ökonomen Theodoros Katsanevas. Beide Parteiführer sind alte Hasen im Politikgeschäft: Katsanevas, 66, war Funktionär der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok); Alavanos, 63, führte von 2004 bis 2008 die Linksallianz Syriza. Er verließ die Partei 2011 und gründete die Front der Solidarität des Umsturzes. Die Partei floppte, jetzt versucht er es mit Plan B.  

Wofür stehen die Parteien?
Eine Drachme ist ungefähr 0,00293 Euro wert. So richtig wertvoll ist die Münze also nicht, trotzdem ist es das Logo der Anti-Euro-Partei Drachme. Ihr Untertitel: "Griechische Demokratische Fünf-Sterne-Bewegung". Die Fünf Sterne stehen für die von ihr formulierten fünf Ziele: Kündigung der Kreditverträge mit den internationalen Geldgebern, Ausstieg aus dem Euro, Wirtschaftswachstum, nationale Würde und soziale Gerechtigkeit. Katsanevas will, dass die Südländer die EU geschlossen verlassen. Immerhin zehn Punkte umfasst das Programm von Plan B, darunter ist etwa die Forderung, den Schuldendienst einzustellen. Beide Parteien wollen wieder die Drachme als Währung einführen.

Wer wählt sie?
Alavanos setzt auf Zweckoptimismus und glaubt, dass ihm bis zu 50 Prozent der Griechen ihre Stimme geben – nach seiner Ansicht all jene, die für den Abschied aus der Euro-Zone seien. Ein großer Erfolg beider Parteien auf dieser Basis ist aber nicht abzusehen. Laut einer Umfrage will die Mehrheit der Griechen – 62,7 Prozent – am Euro festhalten. Um jeden Preis. Die nächste Parlamentswahl ist im Frühjahr 2016.

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